Flucht als Strategie

  • Da sind wir weitgehend einer Meinung.


    Das Problem ist, dass sich "die Leute" nicht nur bei der Messerabwehr nicht auskennen, sondern auch beim gesamten Verhalten innerhalb einer Gewaltszene. Für die allermeisten Opfer ist so ein Szenarium absolut einmalig und wird es auch bleiben. Das ist eben auch der Grund dafür, warum die Statistik so ist, wie sie ist. Im Übrigen möchte ich auch darauf hinweisen, dass selbst Kampfsportler Opfer von Gewalttaten werden! Dazu gibt es einen sehr aufschlussreichen Thread in einem großen Kampfsportforum.

    Es geht hier ja um die Strategie "Flucht" als Mittel. Ich habe ja schon beschrieben, wer eigentlich die größte Opfergruppe ist: Ungeübte, ältere, bzw. weniger Wehrfähige. Ich möchte in diesem Kontext auf eine Sache hinweisen, die als Alternative m. E. noch nicht richtig eingeordnet wurde: Meine Aussage, nicht zu flüchten und sich zu stellen bedeutet der Logik nach - und genau das vertrete ich - das zu nehmen, was man bekommt. Niemanden rate ich dazu, dann sofort und unüberlegt loszulegen und drauf los zu prügeln. Das möchte ich mal grundsätzlich klarstellen, weil meine bisherigen Aussagen ja die waren, sich dem (Kampf) zu stellen, wie es kommt.

    Wenn man sich stellt, bedeutet es demnach nicht immer gleich, dass auch ein Kampf stattfindet bzw. stattfinden muss. Wenn man - so wie Drax es erklärte und wie ich - nicht flüchten kann und man weiß, dass die Zielgruppe derer, die genau das aus den unterschiedlichsten Gründen eben auch betrifft, sehr groß ist (sogar die Masse), dann erwarte ich, dass sich dieser Fakt auch irgendwie in den Strategien der Selbstverteidigung spiegelt. Tut es aber nicht. Daher versuche ich genau auf diesen - aus meiner Sicht - "Missstand" hinzuweisen und diesen möglichst intensiv zu besprechen.


    Noch einmal: Wenn man nicht flüchten kann bedeutet es gleichfalls nicht, dass die einzige Möglichkeit jetzt der Kampf ist. Es bedeutet nur, dass man sich dem Täter und dem, was durch ihn geschieht, stellen muss - im schlimmsten Fall also der Kampf. Wenn ich genau dieses Szenarium - also den GAU - in meinem Training trainiert habe, weiß ich zumindest um meine Chancen und meine Grenzen. Alles, was kein Kampf ist, ist besser für mich (siehe die Nummer mit der 2. Geldbörse).

    Traurige Wahrheit ist allerdings, dass nur sehr wenige Menschen in Deutschland überhaupt einen Kampfsport bzw. eine Kampfkunst trainieren, wobei der Deutsche Judobund die meisten Menschen unter sich vereint. Bedeutet: Die meisten Menschen (potentiellen Opfer) haben weder ein Wissen über die strategischen Möglichkeiten gegen ein Messer, noch kennen sie alternative Möglichkeiten, wie die Sache mit der 2. Geldbörse. Die meisten würden zur Flucht neigen, was einerseits mit den in den Medien gestreuten Informationen zu tun hat, andererseits mit einer evolutionär-bedingten Reaktion (Fluchtreflex). Nicht zu flüchten ist eben auch nicht immer einfach...

    ...und wieder einen Schritt weiter :thumbup:

  • Also für einige Sachen benötigt man keine Ausbildung. Die Sache mit der zweiten Börse, gesunder Verstand alleine reicht da aus. ich für mein Teil habe denen immer Taschentücher oder ähnlichen Kram überlassen, den schlauen Taschendieben die glauben man merkt es nicht wenn jemand rumfummelt.

    Wenn es um gewaltbereite Täter geht, da kann das Verzögern oder linken auch hübsch nach hinten los gehen. Die gucken nämlich nach ob die Marie gefüllt ist.

    Manchmal hilft da pure Unverfrorenheit. Mir wollten sie mein Rad klauen, das war angeschlossen, eine etwas wertvollere Karre. Also Schlüssel her. meine Reaktion ? Nö, also bedroht worden. Meine Reaktion, Schlüssel rausgesucht und in die Landschaft gepfeffert mit dem Kom. "Bitte hier ist er"

    Suchen dauert zu lange also sind die abgedackelt. Ich habe mein zweiten Schlüssel genommen als die weg waren und ab dafür.

    Taktik dahinter ?

    Mach die Beute unerreichbar, egal wie sehr sie dich bedrohen. Entweder geben die dann auf, oder es knallt wirklich. Also wird es nicht schlimmer sondern höchstens besser, denn knallen würde es bei einer Weigerung auf jeden Fall, außer es sind Weichflöten.

  • Hallo Paladin,


    vielen Dank für Deinen sehr interessanten Blog-Artikel.


    Zunächst einmal finde ich es ganz hervorragend, dass am Ende des Artikels die Ausbildung der Soft Skills betont wird, denn diese sind in der Kampfkunst/Kampfsport das Entscheidende. Aber an diesen zu arbeiten ist weit anstrengender als Gewichte zu stemmen oder den Sandsack zu bearbeiten, daher drücken sich viele aus mentaler Faulheit vor der viel anstrengenderen mentalen Arbeit an den Soft Skills.


    Wo ich nicht ganz zustimmen kann ist bei dem Abschnitt:

    "Da in der Kampfkunst insbesondere der waffenlose Kampf „Mann gegen Mann“ im Fokus der Trainingseinheiten steht, wird davon ausgegangen, dass dieser auch im Ernstfall beherrschbar ist. Entsprechend ist es Strategie der Kampfkunst, sich einem Kampf ohne Waffen zu stellen und den Kampf abzuarbeiten. Flucht gehört hier nicht zu den Strategien."


    Ob ein Angriff mit oder ohne Waffe geführt wird spielt m.E. bei den meisten Trainerinnen und Trainern der Kampfkünste und Kampfsportarten keine Rolle bei der Strategie. Wenn eine Flucht möglich ist, würde diese meiner Meinung nach von den meisten Kampfkunst- oder Kampfsport-Ausbildern empfohlen werden. Hinzu kommt, dass niemand sicher sein kann, ob der Angriff wirklich unbewaffnet erfolgt oder doch eine versteckte Waffe vom Angreifer eingesetzt wird (sei es von Anfang an oder im weiteren Verlauf des Angriffs).


    Dein Artikel geht in vielen Punkten sehr gut auf die Frage der Möglichkeit einer Flucht ein.


    Einen Aspekt möchte ich dabei noch ergänzen, der bei der Frage der Möglichkeit der Flucht meines Erachtens von zentraler Bedeutung ist: Ein Kampfkünstler oder Kampsportler wird - sofern er intensiv trainiert - selten bis nie mit einem gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff gegen ihn selbst konfrontiert. Anders ist es natürlich im hohen Alter, dann kann auch ein täglich intensiv trainierender Kampfkünstler oder Kampfsportler direkt angegriffen werden, wenn die Täter ihn aufgrund des hohen Alters (sei es zu Recht oder zu Unrecht) für "schwach" halten.


    Was ein Kampfkünstler oder Kampfsportler in der Praxis viel häufiger erlebt sind Angriffe auf Dritte. Bei Angriffen auf Dritten ist die Option der Flucht nun keine Option mehr. In der Praxis gibt es leider auch fast keine Fälle, bei denen der Anruf bei der Polizei genügt, um den gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff auf den Dritten erfolgreich abzuwehren. Vielmehr ist hier in der Regel schnelle Hilfe für das Opfer des Angriffs im Rahmen des § 32 StGB gefordert.


    Leider wird vielen Opfern von Gewalt- oder Sexualdelikten nicht im Rahmen der Nothilfe geholfen, obwohl dies in einigen Situationen gerade für Kampfkünstler oder Kampfsportler ohne erhebliche eigene Gefahr möglich gewesen wäre. Und gerade diese fehlende Zivilcourage d.h. der fehlende Wille Nothilfe für Dritte auszuüben nach den Vorgaben des § 32 StGB sehe ich als ein Problem an. Aber auch hier kommt es natürlich auf den konkreten Einzelfall an, denn niemand muss sich selbst einer erheblichen eigenen Gefahr aussetzen in Nothilfe-Situationen. Und auch hier ist entscheidend, dass jeder Kampfkünstler und Kampfsportler seine Soft Skills auf einem hohen Niveau entwickelt hat und daher auch weiß, wo seine Fähigkeiten und wo seine Grenzen sind, wenn er Dritten, die angegriffen werden, im Rahmen der Nothilfe nach § 32 StGB hilft. Eine realistische Einschätzung der eigenen Kampfkunst- oder Kampsport-Fähigkeiten (körperlich und mental) ist enorm wichtig, um das "mildeste Mittel" bei der Abwehr finden zu können. Ego-Probleme wirken hier - wie in allen anderen Lebensbereichen auch - sehr nachteilig.


    Viele Grüße

    WilhelmTell

  • Danke für die Rückmeldungen bzw. Ergänzungen. Nur eine Frage dazu: Wie bewertest Du das Alter und/oder gesundheitliche Einschränkungen? Konkreter gefragt: Würdest Du bei der Verteidigungsstrategie zwischen einem 17-jährigen Schüler und einer 45-jährigen Hausfrau und einem 24-jährigen Fußballer der völlig gesund ist und einem ehemaligen 35-jährigen Fußballer mit einem Miniskusschaden Unterschiede machen? Wenn ja - welche...? Bitte: Hier unbedingt sehr konkret beschreiben.

    ...und wieder einen Schritt weiter :thumbup:

  • Danke für die Rückmeldungen bzw. Ergänzungen. Nur eine Frage dazu: Wie bewertest Du das Alter und/oder gesundheitliche Einschränkungen? Konkreter gefragt: Würdest Du bei der Verteidigungsstrategie zwischen einem 17-jährigen Schüler und einer 45-jährigen Hausfrau und einem 24-jährigen Fußballer der völlig gesund ist und einem ehemaligen 35-jährigen Fußballer mit einem Miniskusschaden Unterschiede machen? Wenn ja - welche...? Bitte: Hier unbedingt sehr konkret beschreiben.

    Hallo Paladin,


    ich werde versuchen, Deiner Bitte um konkrete Beschreibung Folge zu leisten.


    Wegen der Zeichenbeschränkung der Antwort werde ich die Antwort unterteilen:


    Teil I der Antwort

    Vorweg der Hinweis, dass sich bei meiner Empfehlung unter Zugrundelegung der von Dir genannten Parameter im Ergebnis keine Grundsatz-Unterschiede bei der Verteidigungsstrategie ergeben würden in Bezug auf die Flucht als Verteidigungsstrategie. Ich versuche, das im Folgenden anhand der von Dir genannten Beispiele zu begründen.


    1) 17 jähriger Schüler:

    Es gibt sehr große Unterschiede bei den 17 jährigen.

    a) Manche schaffen 120 Kilo im Bankdrücken und haben ihr Ego im Griff,

    b) manche schaffen 50 Kilo im Bankdrücken und haben ihr Ego nicht im Griff,

    c) manche schaffen 120 Kilo im Bankdrücken und haben ihr Ego nicht im Griff,

    d) wieder andere drücken 50 Kilo und haben ihr Ego im Griff.


    Manche 17 jährige wohnen auf dem Dorf, manche wohnen in einer Großstadt, manche wohnen in der Großstadt in ruhigen Vierteln und haben einen ruhigen Fuß- oder Fahrweg zur Schule, manche wohnen in unbequemen Vierteln in der Großstadt und haben einen unruhigen Fuß- oder Fahrweg in öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule.

    Manche 17 jährige haben eine feste Freundin, mit der sie sich in gefährlichen Vierteln der Großstadt regelmäßig bewegen, manche 17 jährige sind mit ihrer Freundin fast nur in ruhigen Gegenden unterwegs oder sind überwiegend mit einer Gruppe von Freunden unterwegs.


    Bei den 17 jährigen weiblichen Jugendlichen kann man entsprechende Differenzierungen vornehmen.


    Ich greife mir mal zwei Beispiele heraus:

    Beispiel 1. Fallgruppe a): Der 17 jährige, der 120 Kilo im Bankdrücken schafft, sein Ego fest im Griff hat und mit seiner festen Freundin regelmäßig in gefährlichen Gegenden einer Großstadt unterwegs ist.

    Er selbst wird selten bis nie angegriffen werden. Es besteht durchaus das Risiko, dass seine Freundin, wenn er mit ihr in Clubs geht, vor seinen Augen von Gruppen von Männern belästigt wird. Da er im Fall hier sein Ego im Griff hat, wird er es meistens schaffen, deeskalierend zu wirken und mit seiner Freundin den Club zu verlassen, ohne dass er kämpfen muss. Am wahrscheinlichsten sind allerdings für den Jugendlichen hier Situationen, dass er sieht, wie Dritte angegriffen werden. Eine Flucht ist hier keine Option, selbst wenn er eine Nothilfesituation nicht im Rahmen des § 32 StGB abwehren kann weil die Angriffe zahlenmäßig und waffenmäßig überlegen sind, kann er zumindest die Polizei rufen.


    Beispiel 2 Fallgruppe b): Der 17 jährige, der 50 Kilo im Bankdrücken schafft und sein Ego nicht im Griff hat.

    Da er sein Ego nicht im Griff hat, besteht ein deutliches Risiko, dass es zu vermeidbaren Kampfsituationen kommt. Also muss dieser jugendliche vor allem an seinen Soft Skills arbeiten, damit er vermeidbare Kampfsituationen auch wirklich vermieden werden. Das Training in der Kampfkunst/Kampfsport sollte dem Jugendlichen natürlich helfen, seine Soft Skills in diese Richtung weiter zu entwickeln.

    Da er sein Ego nicht im Griff hat würde dieser 17 jährige für Dritte nicht effizient Nothilfe leisten können. Aber auch bei diesem 17 Jährigen wäre die Wahrscheinlichkeit höher, dass er sieht, wie Dritte vor seinen Augen angegriffen werden als dass er selbst angegriffen wird, dann könnte er ja mindestens die Polizei anrufen, auch wenn diese zu spät kommen würde, um den gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff abzuwenden.

    Wenn der 17 jährige einen Schulweg hat, bei dem er schon in der Straßenbahn oder im Schulbus mit Gruppen gewalttätiger Jugendlicher aneinander gerät die ihn als Opfer ausgesucht haben, ist es eine Einzelfallfrage, ob ihm die Option Flucht zur Verfügung steht, z.B. indem er eine andere Bahn oder einen anderen Bus wählt.

    Einmal editiert, zuletzt von WilhelmTell ()

  • Teil II der Antwort

    2) 45-jährige Hausfrau

    Es kommt auch hier wieder sehr darauf an, wie ihre mentalen und körperlichen Fähigkeiten ausgeprägt sind und wo sie lebt.

    Sollte es Gewalt in der Ehe geben, wäre die Flucht im Sinne der Scheidung der beste Weg.

    Sollte die 45 jährige Hausfrau in einer gefährlichen Großstadt leben, wo sie mit ihren Töchtern des Nachts öfters unterwegs ist, ist wiederum das Risiko größer, dass ihre Töchter oder anderen Frauen und Mädchen vor ihren Augen angegriffen werden als dass sie selbst angegriffen wird. Wenn die Töchter angegriffen werden ist die Flucht keine Option. Aber natürlich kann die 45 jährige Hausfrau ggf. Maßnahmen ergreifen, die das Risiko mitigieren, z.B. indem sie darauf achtet, in welchen Gegenden sie mit ihren Töchtern wann unterwegs ist. Und da du ja auch die FMA trainierst gibt es natürlich gerade bei der 45 jährigen Hausfrau eine schöne Auswahl von Verteidigungsoptionen, die sie alle in ihrer Handtasche oder in der Bekleidung griffbereit mitführen kann.

    Auch spielt natürlich eine Rolle, ob die Hausfrau die finanziellen Mittel hat, mit ihren Töchtern im Auto herumzufahren oder ob sie öffentliche Verkehrsmittel nehmen muss oder möchte.

    Es kommt aber natürlich auch sehr darauf an, welchen Charakter die Hausfrau und deren Töchter haben. Wenn diese mutig sind und daher auch durchaus ohne Angst in gefährlicheren Gegenden unterwegs sind ist diese Situation anders als bei einer 45 jährigen Hausfrau, die selbst und deren Töchter aus Angst am liebsten alle etwas gefährlicheren Gegenden vermeiden.



    Die o.g. Beispiele zeigen: Auch bei der 45 jährigen Hausfrau gibt es diverse Faktoren, die entweder eine Flucht als Option ermöglichen oder eben nicht.


    Was die Verteidigungsfähigkeit angeht, würde ich die 45 jährige Hausfrau bei den genannten Beispielen als die wehrhafteste Person einschätzen. Zum einen hat diese Frau vermutlich regelmäßig ihre Handtasche dabei, wo sie z.B. einen Nagelschere oder spitzen Lippenstift führt. Zum anderen würde sich diese Frau vermutlich aktiv wehren, wenn sie selbst angegriffen wird.

    Es hat sich ja stets gezeigt, dass die aktive Gegenwehr der entscheidende Aspekt ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff abzuwehren, die Techniken sind weit weniger wichtig als die aktive Gegenwehr. Nicht zu vergessen ist auch, dass die 45 jährige Hausfrau mit den Küchenmessern vermutlich deutlich mehr gearbeitet hat als der 24 jährige gesunde Fußballer und der 17 jährige Jugendliche.

    Die 45 jährige Hausfrau hat vermutlich auch Kinder geboren und großgezogen und kann daher mit Stresssituationen umgehen.

    Aus Sicht des Notwehrrechts ist es so, dass der 45 jährigen Hausfrau das Notwehrrecht deutlich mehr Abwehrmittel als mildestes Mittel erlaubt als dem 24 jährigen Fußballer.


    Folgende fiktive Situation:

    Der 17 jährige Jugendliche, der 24 jährige topfitte Fußballer, der 35 jährige Fußballer mit Meniskusschaden, die 45 jährige Hausfrau sowie eine 75 Jahre alte Großmutter sitzen alle in der Straßenbahn und beobachten, wie zwei Jugendliche ein 15 jähriges Mädchen massiv bedrängen.

    Frage: Wer würde dem 15 jährigen Mädchen im Rahmen des § 32 StGB helfen?

    Meine Einschätzung: Die größte Wahrscheinlichkeit der Nothilfe würde ich aufgrund meiner Lebenserfahrung bei der 45 jährigen Hausfrau und der 75 Jahre alten Großmutter sehen. Die zweitgrößte Wahrscheinlichkeit würde ich bei dem 35 jährigen Fußballer mit Meniskusschaden sehen. Dass der fitte 24 jährige Fußballer oder der 17 jährige Jugendliche der 15 jährigen helfen wäre weniger wahrscheinlich als bei den Vorgenannten. Aber das hängt eben wieder vom Charakter im Einzelfall ab, denn natürlich gibt es auch 17 jährige Jugendliche, die ihr Ego im Griff haben und daher im Rahmen des Rechts Notwehr üben würden, wenn vor ihren Augen Schwächere angegriffen werden.


    3) 24-jährigen Fußballer der völlig gesund ist und einem ehemaligen 35-jährigen Fußballer mit einem Meniskusschaden



    Es kommt auch hier auf die konkrete Lebenssituation und auf die mentalen und körperlichen Fähigkeiten an.

    Wenn der 24 jährige Fußballer Schultern hat, die schmaler sind als die seiner Freundin und er mit seiner Freundin häufig in gefährlichen Gegenden einer Großstadt unterwegs ist, dann besteht durchaus das Risiko, dass seine Freundin oder natürlich Dritte vor seinen Augen angegriffen werden. Wenn der 24 jährige Fußballer durch seinen Sport Millionär wurde und er daher mit Rolex und Glitzer-Goldketten in Großstädten ohne Bodyguard herumläuft, könnten ihn Räuber als lohnendes Opfer aussuchen, wenn er Nachts durch die Stadt oder in Clubs auf dem Land geht geht. Die Räuber würden dabei sofern er in kurzen Hosen in einer gefährlichen Großstadt herumläuft sehen, dass seine Waden und Oberschenkel breit und seine Schultern schmal sind und würden ihm daher beim Raub nur wenige Chancen zum Wegrennen bieten, z.B. indem sie ihn von hinten foulen. Dabei kommt es nun wieder sehr darauf an, in welcher Liga der Fußballer spielt. Sofern der Fußballer in einer Englischen Liga spielt, würde er bei einem Foul (z.B. einem Tritt der Räuber von hinten in das Bein des Fußballers) vermutlich die Zähne zusammenbeißen und könnte daher noch wegrennen. Sofern der Profi-Fußballer hingegen in Italien, Frankreich oder Deutschland spielt würde er vermutlich aufgrund des Fußballer-Instinkts eine Schwalbe machen und sich theatralisch auf den Boden werfen. Auf dem Boden liegend wäre er nun wieder eine leichte Beute für die Räuber, obwohl er beim 100 Meter Lauf ggf. nur 10.7 Sekunden benötigt und die Räuber 15 Sekunden.


    Der 35 jährige Fußballer mit Meniskusschaden hätte vermutlich weil er weniger Cardio trainiert ein größeres Körpergewicht und er würde möglicherweise weil er ja vom Fußball Sport gewohnt ist im Fitnessstudio trainieren und hätte daher vermutlich breitere Schultern als der 24 jährige Fußballer und würde daher ggf. weniger oft als Oper ausgesucht werden, wenn er mit der Rolex am Arm oder der Frau/Freundin im Arm herumläuft. Aber es kommt wie immer maßgeblich auch darauf an, ob er Ego-Probleme hat oder nicht.

    Und es kommt maßgeblich darauf an wo und mit wem er sich zu welchen Zeiten wie in der Öffentlichkeit bewegt.

    Nehmen wir an der 35 jährige Fußballer mit Meniskusschaden hat sein Ego sehr gut im Griff und trägt auch keinen teuren Glitzerschmuck in der Öffentlichkeit und geht mit seiner Freundin auch nicht in Clubs von zweifelhafter Reputation, dann wird er manche gefährliche Situationen durch ein Weggehen lösen können. Aber auch bei ihm ist das Risiko weit höher, dass seine Frau/Freundin oder Dritte vor seinen Augen angegriffen werden und bei der Nothilfe ist das Wegrennen keine Option, zumal er ja wegen dem Meniskusschaden ohnehin nicht mehr schnell wegrennen kann.


    Viele Grüße

    WilhelmTell

  • Ergänzend noch Beispiele aus dem Internet, die ich gerade kurz gegoogelt habe und die das Thema wie ich finde auch nochmals verdeutlichen:


    1) Im folgenden Beispiel hat ein Kampfkünstler/Kampfsportler obwohl die Angreifer nur sein Handy wollten gekämpft und hat Glück gehabt, dass er diesen völlig sinnlosen Kampf überlebt hat. Ob eine Flucht ohne das Handy auszuhändigen erfolgreich möglich gewesen wäre ist fraglich, die richtige Lösung wäre einfach gewesen, das Handy den Räubern auszuhändigen und dann wegzurennen. Hier hat möglicherweise das Ego dem Kampfkünstler/Kampfsportler die einfachste Lösung verbaut.

    Es ist auch denkbar, dass ein Grundlagenwissen nicht vermittelt wurde, das man normalerweise in der allerersten Unterrichtsstunde eines Kampfsports oder Kampfsports lernt, dass man nämlich für Geld nicht sein Leben riskieren sollte und dass man einem Räuber (egal ob dieser eine Waffe in den Händen hält oder nicht) immer seine Wertsachen aushändigen sollte, sofern der Räuber nur die Wertsachen haben möchte.


    https://nypost.com/2018/10/25/…ob-the-wrong-mma-fighter/


    2) Im nachfolgenden Beispiel hat ein Karateka seine Freundin verteidigt und seine Martial Art für die Verteidigung einer Schwächeren eingesetzt. Es wäre hier auch jede/jeder andere Bein getroffen worden. Eine Flucht wäre wohl keine Option gewesen. Das Beispiel verdeutlichte natürlich auch, wie wichtig es ist, die richtige Wundversorgung zu kennen um anderen (oder ggf. sich selbst) helfen zu können, die nach einem (Messer)Angriff viel Blut verlieren. https://www.standard.co.uk/new…n-night-bus-a2952671.html


    3) Im nachfolgenden Beispiel hat ein Kampfsportler/Kampfkünstler erfolgreich einen Messerangriff auf einen Türsteher abgewehrt, musste aber Blutzoll bezahlen. Auch jeder andere wäre hier verletzt worden. Eine Flucht hätte dem angegriffenen Opfer nicht geholfen. In England immer mit einem Kragen aus Leder spazieren zu gehen ist nicht jedermanns/jederfraus Sache.


    https://www.independent.co.uk/…isis-latest-a7772191.html


    Allgemeiner Hinweis zu den drei o.g. Fällen:

    Ein großes Problem sind natürlich die strengen Waffengesetze in England, die dazu führen, dass es jedes Jahr in England ganz besonders viele Messer-Tote gibt. Denn die Kriminellen führen in England, Frankreich und Deutschland alle ihre Messer, Macheten und sonstige Hieb- und Stichwaffen egal wie streng das Waffengesetz ist und die Gesetzestreuen halten sich wie das Wort schon sagt an die Waffengesetze.


    Hätte der Nothelfer im vorgenannten Beispiel einen stabilen Spazierstock oder ähnliches griffbereit gehabt, hätte er deutlich bessere Chancen gehabt, den Angreifer zu stoppen ohne selbst so schwer verletzt zu werden.


    Wie google zeigt scheint es aber für gesetzestreue Bürger in England nicht leicht zu sein einen Spazierstock zu führen.


    https://www.dailymail.co.uk/ne…-78-offensive-weapon.html


    Auch das ist natürlich eine weitere Erklärung für die vielen Messertoten in England jedes Jahr.


    „Speak softly and carry a big stick“ sagte ein kluger Mensch einmal. Leider gibt es immer weniger Vernunft.


    Neben England hat auch Frankreich ein sehr strenges Waffengesetz, das natürlich auch in Frankreich alle Kriminellen sehr zu ihrem Vorteil ausnutzen.


    Aus gutem Grunde schreibt Schiller im Wilhelm Tell:


    "Wer durchs Leben

    Sich frisch will schlagen, muss zu Schutz und Trutz

    Gerüstet sein."


    In England wäre z.B. ein Kettenhemd ein passendes Accessoire für die Abendgarderobe.

  • Es ist also grundsätzlich so, dass man sich wehren muss... das ist Deine Sichtweise. Was ist mit denen, die sich wehrten, was nicht zum Erfolg führte... gibt es das überhaupt? Ich bin ein leidenschaftlicher Aktenzeichen-Zuschauer, dort wehren sich die Opfer was durchgängig, gefühlsmäßig führte das dort zu keinen Erfolgen... sind die Fälle da doch nur ausgedacht? Wenn Du die Opferstatistiken liest: Warum werden eigentlich Opfer zu Opfer: Weil Sie schon wie Opfer agieren? Haben Opfer also selbst Schuld?

    ...und wieder einen Schritt weiter :thumbup:

  • Paladin: Ich vermute, dass Deine Frage, warum jemand Opfer wird, eine rhetorische Frage war. Die von mir oben genannten Beispiele zeigten ja verschiedene Faktoren, die dazu führen können, ob jemand Opfer wird oder nicht, da könnte und müsste man 100000 Fallgruppen bilden.


    Deine Frage von Opfer und Schuld interpretiere ich auch als rhetorisch.


    Viele Grüße

  • Ich empfehle immer den Rückzug, da man nie weiß wie weit der Messerstecher geht.

    Wenn man aber sofort mit einem Messer unerwartet angegriffen wird ist die Verteidigung fast unmöglich siehe Augsburg, wo der Angreifer ohne Vorwarnung

    angegriffen hat und es mehrere Tote gegeben hat.

  • ...

    Wenn man aber sofort mit einem Messer unerwartet angegriffen wird ist die Verteidigung fast unmöglich siehe Augsburg, wo der Angreifer ohne Vorwarnung

    angegriffen hat und es mehrere Tote gegeben hat.

    nein, nicht Augsburg, sondern Würzburg ... aber ansonsten ist es richtig: einem unerwarteten Angriff kann man fast nichts entgegensetzen.

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

  • nein, nicht Augsburg, sondern Würzburg ... aber ansonsten ist es richtig: einem unerwarteten Angriff kann man fast nichts entgegensetzen.

    Fragen wären:


    1. Was sind "unerwartete" und was i. d. F. "erwartete" Angriffe?

    2. Welche der o. g. Angriffe kommen in der Realität am häufigsten vor?

    3. Würden Täter lieber "unerwartete" oder "erwartete" Angriffe starten?

    ...und wieder einen Schritt weiter :thumbup:

  • In meinem Beitrag hatte ich mich auf den Messerattentäter in einem Würzburger Kaufhaus bezogen. Hier handelt es sich meiner Meinung nach um ein für die Angegriffenen völlig unerwartetes Ereignis.

    Die 'Realität der Messerangriffe' ist mir nicht bekannt, aber ich gehe davon aus, dass die meisten Frauen, die zu dieser Zeit in dem Kaufhaus waren, noch nie mit einem Messer angegriffen wurden, dennoch wurde für drei Frauen aus Unterfranken der Angriff zur tödlichen Realität.

    Des weiteren gehe ich davon aus, dass jeder, der in einem Kaufhaus einen Messerangriff erwartet, ohne zuvor in irgendeiner Weise mit einem möglichen Angreifer in Kontakt geraten zu sein, ein psychisches Problem hat.

    Fragen wären:


    1. Was sind "unerwartete" und was i. d. F. "erwartete" Angriffe?

    2. Welche der o. g. Angriffe kommen in der Realität am häufigsten vor?

    3. Würden Täter lieber "unerwartete" oder "erwartete" Angriffe starten?

    Zu 1:

    "unerwartet" z.B. bei Attentaten, Amokläufen, hinterhältigen Morden ...

    "Erwartung" eines Angriffs auf Grund von Provokation, Berufserfahrung (Polizei, Sicherheitsdienst ...), Auseinandersetzung zwischen Banden, Vorurteilen gegenüber Minderheiten ...

    wieviele Angriffe im Zusammenhang mit einer Erwartung tatsächlich erfolgen, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Zu 2:

    eine verlässliche Statistik zu dieser Fragestellung konnte ich nicht finden.

    Zu 3:

    Das kommt drauf an, welches Ziel die Täter verfolgen.

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

    Einmal editiert, zuletzt von ida () aus folgendem Grund: Zeichensetzung

  • Fragen wären:


    1. Was sind "unerwartete" und was i. d. F. "erwartete" Angriffe?

    2. Welche der o. g. Angriffe kommen in der Realität am häufigsten vor?

    3. Würden Täter lieber "unerwartete" oder "erwartete" Angriffe starten?

    1. : Angriffe mit irgendeinem "Vorspiel", irgendeiner Sache die etwas vermuten lässt. Z.B. Rumsuchen in der Hosentasche, entsprechende Steigerung der Aggression etc. Kurz man kann es vorher erkennen, auch wenn es manchmal der Erfahrung bedarf. ( Diese fehlt zumeist, womit der Satz "das hättest du kommen sehn müssen" den man oft genug zu hören bekommt, einen unerfreulichen Beigeschmack erhält. )

    Angriffe die durch nichts angedeutet werden, weder durch die Situation per se noch durch das Verhalten des Aggressors.

    2 : Wenn ich ehrlich bin, ist diese Frage irrelevant, denn man kann es sich nicht aussuchen, also ist es klug auf Beides eingestellt zu sein.

    3 : Kommt auf die Situation an. Wenn ich meine untreue Frau ermorden will, sollte sie natürlich nicht vorher ahnen das ich sie bei der liebevollen Umarmung erdolche.

    Möchte ich hingegen Druck aufbauen um ein Ziel zu erreichen um z.B. die Herausgabe einer Börse zu erzwingen, dann macht das Zeigen der Absicht zu Messerisieren durchaus Sinn. Gehorchst du nicht, werde ich rabiater.

    Ergo kommt es auf die Zielsetzung der Tat an.

  • Konstruktiv schlage ich vor: Wir schlagen alle das https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/ auf und Diskutieren Bsp folgende Punkte




    Vierzehnter Abschnitt
    Beleidigung


    Sechzehnter Abschnitt
    Straftaten gegen das Leben


    Zwanzigster Abschnitt
    Raub und Erpressung


    oftmals gilt https://dejure.org/gesetze/StGB/23.html. § 23 Strafbarkeit des Versuchs ((1) Der Versuch eines Verbrechens ist stets strafbar).


    Im Zweiten Schritt holste die PKS https://www.bka.de/DE/Aktuelle…PKS2020/pks2020_node.html raus und hälst die dagegen.


    Wer mehr wissen will googelt z Bsp.


    "verurteilt wegen körperverletzung"


    kommste hier Bsp. hin https://www.rechtsindex.de/urteile/k%C3%B6rperverletzung.


    oder lokal Presse https://www.kevelaerer-blatt.d…-wegen-koerperverletzung/



    combat ready

    Einmal editiert, zuletzt von brandenburger ()

  • In dem Beitrag vom 10. Januar 2021 hatte ich Folgendes ausgeführt:


    "Folgende fiktive Situation:

    Der 17 jährige Jugendliche, der 24 jährige topfitte Fußballer, der 35 jährige Fußballer mit Meniskusschaden, die 45 jährige Hausfrau sowie eine 75 Jahre alte Großmutter sitzen alle in der Straßenbahn und beobachten, wie zwei Jugendliche ein 15 jähriges Mädchen massiv bedrängen.

    Frage: Wer würde dem 15 jährigen Mädchen im Rahmen des § 32 StGB helfen?

    Meine Einschätzung: Die größte Wahrscheinlichkeit der Nothilfe würde ich aufgrund meiner Lebenserfahrung bei der 45 jährigen Hausfrau und der 75 Jahre alten Großmutter sehen."


    In Würzburg hat sich die vorgenannten Lebenserfahrung wieder einmal bestätigt:


    Um ein 11 jähriges Mädchen zu retten hat die 82 Jahre alte Johanna in Würzburg ihr Leben geopfert, indem sie den Messerangreiferm, der das 11 jährige Mädchen mit dem Messer angriff, wegzog . Auch die 49 jährige Mutter Christiane opferte ihr Leben, um ihre 11 jährige Tochter zu retten.


    Es sind sicherlich viele sehr sportliche und erfahrene Kampfsportler, Kampfkünstler und Kraftsportler erfolgreich weggerannt in Würzburg, als das 11 jährige Kind angegriffen wurde. Und ich bin mir auch sicher: Johanna und Christiane würden, wenn man sie fragen würde ,ob sie in der selben Situation wieder gleich handeln würden, bestätigen, dass sie wieder genauso in Nothilfe handeln würden und ihr Leben wieder opfern würden, um das 11 jährige Mädchen vor dem Messerangreifer zu retten.


    Neben diesen beiden Heldinnen, die in Würzburg den größten Mut bewiesen, gab es auch noch mehrere männliche Helden. Die männlichen Helden hielten den Angreifer mit diversen Alltagsgestenständen davon ab, weitere Verbrechen mit dem Messer zu begehen. Es ist sehr zu hoffen, dass der Held Chia, der den Messerangreifer davon abhielt , weitere Morde mit dem Messer zu begehen, schnellstmöglich eingebürgert wird und nicht nur Medaillen erhält für seine Zivilcourage, denn er hat bewiesen, dass er die freiheitliche demokratische Grundordnung mit seinem eigenen Leben verteidigt. Auch bei den weiteren Helden, die den Messerangreifer davon abhielten, weitere Verbrechen zu begehen, ist sehr zu hoffen, dass sie die Anerkennung bekommen, die sie verdienen.

    Einmal editiert, zuletzt von WilhelmTell ()

  • ...

    Um ein 11 jähriges Mädchen zu retten hat die 82 Jahre alte Johanna in Würzburg ihr Leben geopfert, indem sie den Messerangreiferm, der das 11 jährige Mädchen mit dem Messer angriff, wegzog . Auch die 49 jährige Mutter Christiane opferte ihr Leben, um ihre 11 jährige Tochter zu retten. ...

    Diese Darstellung des Sachverhaltes war mir bisher unbekannt, hast Du eine Quelle, aus der man nähere Einzelheiten entnehmen kann?

    Suche das Einfache und misstraue ihm.

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