Beiträge von sabiji

    Tai_Eule Aber nichts anderes wollte ich doch darstellen. Es wurde von Trainingssoll gesprochen, es wurde von Trainingsqualität gesprochen, mir kam schlicht der Trainierende zu kurz. Um "absichtsvoll" zu Üben muss ich begreifen, was ich da mache. Ich muss es annehmen. Sicherlich, es gibt viele ehrgeizige Eltern, die ihre Zwerge kaum das sie laufen können zum Sport puschen. Die Zwerge wissen nicht um was es geht. Die machen das was der Trainer sagt. Aber wie viele bleiben übrig für den Leistungssport und schaffen es tatsächlich nach oben - und vor allem übernehmen ihren Sport bewusst als "ihr Ding", so dass sie auch ganz von sich aus - neben Trainerorder und Trainingsplan absichtsvoll und ehrgeizig üben?

    Mit Hinterfragen meine die Reset-Funktion. die Fähigkeit, sich zurückzuholen, wenn man offensichtlich auf einen Tot-Weg ist. Ich sehe da keine Fallstricke. Viele halten sich für Top, merken aber nicht, dass sie in eine Sackgasse gefahren sind und verstehen die Welt nicht mehr, wenn es nicht mehr weitergeht. Oder sie denken dass sie sich bewegen, obwohl das Gegenteil der Fall ist.


    Das größte Problem ist, wenn etwas nicht klappt "wie gehabt", dass man denkt, das kann ich eigentlich, oder eigentlich noch besser, weil ich das mal oder öfter besser hinbekommen habe. Aber tatsächlich kann man es in dem Moment eben nicht! Man hat Mist gebaut. Sicherlich gibt es viele Faktoren, die ein Ergebnis beeinflussen. Aber Vorsicht vor Augenwischerei, die größte Fehlerquelle ist man immer selbst. Deswegen ist es so wichtig das Augenmerk auf die Grundlagen nicht zu verlieren. Wir "kürzen" gerne ab, und erkennen nicht sofort, wo wir falsch abgebogen sind. Wenn man stets und ständig sich selbst bei den Grundlagen kontrolliert, fällt einem der Fehler bei der Selbstreflektion viel besser auf. Sonst potenziert sich alles nur hoch und man verliert in einem Gewirr falscher Ansätze den Überblick und kommt nicht auf die Lösung.


    Wettbewerbe (sportlich gesehen) sind das eine. Ich kenne Top-Wettkampfschützen und ich kenne Top-Bogenschützen. Das sind zwei vollkommen Schuhe. Aber es gibt Ausnahmen. Brady Ellison ist bzw war einer der besten Fita-Schützen, obwohl er (glaube ich) nur 4 mal Weltmeister war (Olympisch und Feld). Bei Olympia war sein größter Erfolg 2. mit der Mannschaft, bzw. 10. im Einzel. Hört sich nicht doll an, aber es gibt wenige, die auf fester Distanz genauso gut sind wie auf wechselnder und sogar unbekannter Entfernung. Das liegt wahrscheinlich daran, weil Ellison auch Erfahrungen in der Bogenjagd hat, was in den Staaten sehr beliebt und verbreitet ist. (Bogenschieß-Idole wie Howard Hill, Fred Bear oder Byron Ferguson waren bzw. sind passionierte Bogenjäger). Er lebt also Bogenschießen auf extrem sportliche Weise, genauso wie auf extrem ursprüngliche Weise. Dazu muss man das Bogenschießen stark durchdringen und zu einem zweiten ich machen (wie gute Kampfsportler auch). Man ist nicht nur Bogenschütze, wenn man den Bogen zur Hand nimmt, sondern stets und überall. Du kannst Bogenschütze mit jedem anderem "Sein" (Musiker, Künstler, Polierer, Schwertkämpfer, Hapkido-Hansel ;-), usw.) austauschen.

    Hätte Ellison sich absolut und ausschließlich nur auf die olympischen 70 Meter und die 18 Meter der Halle fixiert, wäre er mit Sicherheit ein noch besserer olympischer Schütze geworden, aber kein besserer Bogenschütze.

    Tut mir leid, aber das ist alles Laber Rhabarber für mich. Das ich viel und intensiv üben muss, um einen gewissen Grad an Fortschritt zu erreichen, dazu brauche ich keine wissenschaftliche Studien. Von nichts kommt nun mal nichts. Um letztendlich zu den Besten zu gehören, bedarf es sicherlich noch mehr als Top Trainer und Soll-Stunden. Neben Trainer und Zeit kommt es vor allem auf den Schüler an. Mann könnte es verallgemeinernd als Talent bezeichnen. Talent im Sinne der exakt passenden Mischung körperlicher und geistiger Idealvoraussetzungen für ein bestimmtes Einsatzfeld. Ein guter Trainer kann in einem bestimmten Rahmen diesbezügliche Defizite und Stärken erkennen und individuell im Training anpassen. Aber mehr geht nicht. Insofern gebe ich Capella recht: Ein Ackergaul wird nie ein Rennpferd, auch wenn man es 10.000 mal über die Piste Jagd. Sollte es das Pensum überstehen, wird es bestenfalls ein sehr schneller Ackergaul.


    In der Schulzeit standen Scouts großer Berliner Sportvereine bei meiner Tochter schlange. Sie erkannten ihr Talent im Ausdauersport. Auch Heute läuft sie aus dem Stand und fehlenden Training 3000 Meter ohne sichtlich Mühe und Anstrengung. Aber sie hatte und hat weder Ehrgeiz noch Lust drauf, sich einem regelmäßigen Training zu widmen. Trotz körperlicher Top-Voraussetzungen wäre sie auch nach 10.000 Stunden und Top Trainern nie bei den Besten, weil ihr Kopf kein Bock drauf hat.

    Dieses Phänomen gibt es auch anders herum. Da wäre der Wille, aber der Rest reicht nicht. Wieviel Kiddys wollen Fußballstars werden? Auch einer meiner Chefs spielt seit Kinderbeinen an aktiv Fußball. Wir haben beim Firmen-Berlin-Cup ein paar mal mitgemacht. Ich habe da Leute spielen sehen, da habe ich mit den Kopf geschüttelt und gemeint: das können niemals Amateure sein!

    Und hier kommt noch ein nicht genannter Fakt zum Tragen: die Leistungsdichte! Selbst wenn du schon verdammt gut bist, regelmäßig und hart trainierst, schaffen es viele nur eine sehr kurz und begrenzte Zeit und Top-Bedingungen bestenfalls in Sichtweite Besten einer beliebten Sparte zu kommen.


    Ich habe im 3D Bogenschießen an Deutschen Meisterschaften von 3 Verbänden teilgenommen. Einmal bin ich Vizemeister geworden, aber nur weil es wenige Konkurrenz gab. Stolz dagegen bin ich auf einen 4. Platz beim DBSV und einen 6 Platz beim DFBV. Ich habe dabei nie darauf hintrainiert, Deutscher Meister zu werden, sondern wollte es einfach mal "wissen". Aber das ist nichts gegen die Europameisterschaft IFAA 2018, an der ich teilnahm. Hier habe ich das erste mal Begriffen, was Leistungsdichte bedeutet. Hier waren ja fast ausschließlich top motivierte Schützen am Start. Den Spruch: "Dabeisein ist alles" kannst knicken. Jeder wollte das Beste. Ich konnte mich 2 Wettkampftage unter den besten 50 halten (von etwa 170 Starten meiner Klasse). An diesen beiden Tagen schoss ich persönliche Bestleistungen. Die Tagesbestleistung eines Top-Schützen waren 544 von 560 Ringen. Das ist einfach nur unfassbar gut.


    Ob nun oben Fußball oder bei meinem Bogensport, man muss sich hier mal den psychologischen Effekt vorstellen: man ist zwar gut, aber man wird vielleicht nie gut genug sein. Ein Punkt, wo viele früher oder später in den Sack hauen.

    Ich habe an anderer Stelle schon geschrieben, dass ich den "Selbstkampf" nicht im Kendo, sondern fast unverhofft beim Bogenschießen gefunden habe. Auf der einen Seite weiß ich das ich gut sein kann oder bin, auf der anderen Seite aber auch, dass ich mir auch richtig was vormachen kann. Das was man wirklich ist, ist nur der momentane Stand dessen, was man gerade eben zu leisten im Stande ist. Nur wenn man stets und ständig dran bleibt, und niemals die Grundlagen aus dem Augen verliert, es zu seinem "Weg" macht, den man durchaus auch immer wieder hinterfragt, dann gehört zu den Besten.

    Wirkliche Chancen hat man nur noch mit einer ordentlich polierten Klinge von brauchbarer Qualität.

    Ich sagte Chancen !

    Die Zeiten das man sagen konnte rechnet sich auf jeden Fall ; perdu.

    Was aber immer noch gilt das Gegenteil, wer Schrott an den Mann bringen will erlebt heute wie früher den großen Bauchklatscher, egal wie "toll" die billige Politur mit Säure und Schmirgel ist.

    Obwohl, in dem Text war ich unfair. Wie sollen Leute die eine schlechte, ausgeglühte Klinge nicht von einer Guten unterscheiden können den Unterschied sehen zwischen einer guten und einer miesen Politur ? Daher, es tut mir leid für die harten Worte.

    Harte, aber ehrliche Worte.

    Die "Chancen", und darum dreht sich ja alles in meinen Beiträgen zum Thema, sind eben zur Zeit nicht mehr so selbstverständlich. Auch "brauchbare Qualität" zu angemessenen Preisen sind keine Selbstläufer mehr. Wer mit "günstigsten" Käufen im "günstigsten "Qualitätsniveau" und "günstigsten" Restaurierungen aber straffen Weitergabe-Preisen am Markt spekuliert, betreibt eigentlich Selbstverbrennung seines investierten Vermögens (im Grunde auch seines Rufs). Das war allerdings noch nie anders.

    Um so unverständlicher ist es, das Einige dieses Spiel mit Elan weitertreiben, und auch bei offensichtlicher Erfolglosigkeit keine Erkenntnis oder Einsicht erwächst. Da bleibt bei mir nur Ratlosigkeit...

    Interessant ist der Kommentar unserer Koryphäe, da er einigen Konter erfahren musste. Sinngemäß: ...auch ich versuchte hier erfolglos ein Schwert für 3.000 Dollar zu verkaufen. Niemand wollte es. Jetzt ist es in Japan und soll Papiere bekommen. Wollen wir doch mal sehen, was es Wert ist, wenn es Hozon oder sogar Tokubetsu Hozon erhält...".

    Hier zeigt sich das Denken von Leuten ohne jeglichen Sachverstand. Um Toku Ho zu bekommen wird er wenigstens 1.200 Dollar für Versand, Agentengebühren und den Papieren investieren müssen. Nur diese Kosten auf seine alte Preisvorstellung machen das Schwert jetzt zu einer 4.200 Dollar Klinge.

    Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Er kritisiert einen anderen, dass seine Klinge zu teuer sei, da diese zeitnah keinen Käufer findet. Er ärgert sich, dass der Verkäufer nicht auf sein Dumpingangebot eingeht, weil nach seiner Logik dass ja gerechtfertigt sei.

    Auf der anderen Seite versucht er seine Klinge, welche günstiger wirklich niemanden interessiert hat, durch mögliche Papiere noch teurer zu machen, obwohl sich die Qualität der Klinge ja keinen fatz zum Besseren ändert.

    Sodele, es war nicht in Japan, sondern bei einem amerikanischen Polierer. Und der meinte, es sei die Investition für ein Papier nicht wert. Dumm gelaufen.

    Aber wer will, kann es wieder für etwa 3.250 Dollar kaufen :D.

    Nee nee, ich meine I-Net/eBay/Foren/Plattformen. Genau dort, worauf sich mein ganzer Fred ja aufbaut. Deine Bekannten zählen nicht! Nicht schummeln bitte.

    Und was die Marge und Papiere angeht, deswegen schrieb ich ja, dass ich hauptsächlich jap. Händler hinter dem Einreich-Wahn vermute.

    Gerade ist mir seit Montag diese Woche die 3. Absage von Terminen eingegangen, auf die ich mich echt gefreut habe. Japan wird wohl auch kommendes Jahr keine Touris reinlassen. Meine Flugticketkosten von 2,5K werde ich wohl abschreiben können. Wenn jetzt noch das einzige Turnier wegen Corinna ausfällt, bei dem ich mich seit den Lockerungen eingeschrieben habe, oder vielleicht auch noch mein Japanisch-Kurs an der VHS, oder mein Heki-Hallentraining...kann mir alles mal den Buckel runterrutschen.

    Das Bigotte hier in Berlin: bei aller Panik bezüglich der steigenden Infektionszahlen (selbst im Büro darf ich seit Montag mit Maske rumlatschen), die Berliner Verkehrsbetriebe streiken am Freitag für 24 Stunden. Ganz Berlin darf sich dann auf die Straße (wobei die Friedrichstraße ja jetzt partial eine "Flaniermeile" ist, außerdem soll Berlin ja ab 2030 innenstadttechnisch Autofrei sein), oder in zum Massenkuscheln in die S-Bahn quetschen.

    Berlin kannste echt zusch***!

    Ich mache mal weiter mit unseren mimimi, dem Hinterherflennen alter Werte. Macht irgendwie Spaß, sich mal richtig auszuko***n.


    Papiere: Inflation, das passt. Ich schrieb es ja schon weiter oben, ein Drittel viel im Vorjahr bei Hozon durch. Da ich das warum nicht kenne, mutmaße ich ganz treuherzig, dass der Großteil der Durchfaller Gimei sein könnten. Aber selbst wenn, könnte man granteln, wenn Zweifel im Vorfeld vorhanden sind, warum dann einreichen? Bei der nächsten Stufe zu Toku Ho rauscht wieder etwa ein Drittel durch. Hier dürfte der Grund Gimei kaum bis gar nicht eine Rolle spielen, sondern eher qualitative Gründe entsprechend den Regeln. Wenn man nun bedenkt, welcher finanzielle Aufwand dahinter steckt, reicht man aus Übersee ein, vermute ich wiederum, dass vorwiegend jap. Händler einreichen. Denn der Kunde wünscht ja Papiere. Eine signierte Klinge ohne Hozon beim jap. Händler ist gleichbedeutend mit Gimei. Selbst Tsuruta betont ja, er garantiert, oder garantiert für nichts, oder wenn die Qualität trotz Gimei gut ist, würde die Klinge Hozon bekommen, würde die Signatur auf wundersamer Weise verschwinden.

    Einen Crash wie beim Yakusa-Debakel sehe ich momentan nicht, auch wenn die Notwendigkeit bestimmte Klingen unbedingt mit Papieren zu versehen, dem ganzen inflationäre Züge gibt. Ich habe das Gefühl, das sich still und heimlich die Wertigkeit auf eine bestimmten Art von Zuschreibung lenkt (so lange es noch geht). Ich sprach das kurz bei unserem letzten Treffen an und möchte es hier nicht weiter ausführen. Ich denke ernsthaft drüber nach. Nicht für mich, sondern als Wertstabilisierung für Fräulein Schnürschuh oder die werte Gattin im Falle des verhökerns, sollte mir Morgen ein Gullideckel auf dem Kopf fallen.


    Ja, die Umetada, die wahre Geschichte dahinter kennst Du gar nicht. Und im Grunde sind Deine Schätze fast unverkäuflich. Ja, Du hast ne Mords-Offerte für Dein Skinhead bekommen. Aber was meinst Du was passiert, wenn Du die Glatze bei Ebay/NMB reinstellst, oder Dein Prügel - für einen vertretbaren Preis:


    ...zirp....zirp...zirp...


    Und dann kommt irgendso ein Hirn und mault dir Ohren voll, ääh, das will ja keiner haben, aber Heute ist Dein Glückstag,hier, ich gebe dir ein fünftel Deiner Wunschsumme. Dann kannst Du Dir ein Lolli mit Blinklicht kaufen und prima um die Ecke lutschen.


    Denk an den Hosokawa Deines Bekannten. Das hat mir in der Seele weh getan, wie das Teil da vor sich hin staubte. Wenn es irgendwie gegangen wäre, hätte ich das Ding umgehend eingesammelt. Aber die Blökschafe scharren halt weiter im Schrott.



    Kann man was gegen den ganzen Kram tun? Vielleicht. Mehr Bildung unters Volk hilft Unmengen! Einander unterstützen in der Sammelleidenschaft, zB. durch Zuspruch, wenn sowas in Foren rotiert. Aber sonst?

    Nichts. Es ist letztendlich ja auch eine ganz natürliche Entwicklung. Anfang der 90ger herrschte eine ganz andere Situation als Heute. Anfangs hatten wir nicht mal ein Telefon. Ich musste zur Telefonzelle, wenn ich einen anderen Sammler sprechen wollte. Man kommunizierte über Briefe, man erhielt Papierfotos zu Objekten. Der Anzeigenteil des Deutschen Waffenjournals war eins der wenigen Medien. Es gab vielerorts noch Waffenbörsen. Die wenigen Bücher waren schwer zu bekommen. Das aktive Lernen und Studieren war sehr mühsam und aufwendig. Die Sammlerszene war eng umrissen. Jeder kannte im Grunde jeden. Wer am Ball bleiben wollte, musste schon ernsthaftes Interesse haben, sonst verschwand man schnell wieder von der Bildfläche.

    Mit der Entwicklung des Internets und vor allem des damit verbundenen Marktes und allen notwendigen Infrastrukturen verbesserte sich die Zugänglichkeit zum Kern der Sache enorm. Aber auch Mitte der 2000er herrschten noch andere Bedingungen. Die wenigen jap. Händler, welche eine Homepage besaßen, präsentierten diese ausschließlich auf japanisch. Ebay gab es, doch die Anbieter waren noch übersichtlich. Vor allem das Bezahlen war oft ein Abenteuer. Homebanking ging meines Erachtens noch nicht. Postal Money Order war angesagt. Das Ausfüllen der Überweisungsträger war ein Abenteuer. Post- und Bankangestellte waren in der Regel absolut überfordert.

    Zu der heutigen Situation muss ich nichts mehr ausführen. Obwohl Heute vieles um Welten einfacher zugänglich ist, bemüht sich ein Großteil kaum, tiefer in die Materie vorzudringen. Es braucht ja nicht viel. Etwas Knete, ein paar Teile aus dem Net ersteigert und man lässt sein Senf in Foren ab. Ich glaube, die Halbwertszeit, wie lange Stücke in "Sammlungen" verbleiben ist so gering wie noch nie. Oft wird gekauft und postwendend weitergedreht. Alles wird durch die Dumping-Schrottangebote (Nihonto für wenige 100 Dollar) noch angeheizt. Es gibt durchaus Beispiele von Funden aus diesem Bodensatz des Marktes, den Ichimonji von Ebay, die Kiyomaro aus einer Behördenauktion. Aber es gewinnen auch regelmäßig Leute 1 Mille im Lotto und trotzdem spiele ich keins. Aber es feuert die Goldgräberstimmung zusätzlich an. Und so kaufen Leute mit Enthusiasmus 10 Schrottprügel von Ebay für ein paar hundert Dollar in der Hoffnung das Los zu ziehen, als die in meinem vorherigen Text beschriebene arme Klinge.

    Aber ist es nicht eigentlich logisch, das man auf einem Schrottplatz zu Schrott-Preisen hauptsächlich nur eins findet: Schrott? Wenn ich eine Vorstellung dessen habe, was mich anspricht und was ich studieren und bewahren will, suche ich dann im Schrott? Werde ich es für wenige hundert Dollar finden? Wohl kaum. Was will ich? Solls eine gute Aoe sein, eine Rai, doch lieber Ichimonji, eine Hosho, ein Shizu? Auch im Shinto gibt's schönes: Osaka Shinto, eine wunderbare Hojiji, eine klassische Hizen? Oder ein Meister des Shinshinto? Dann hast Du ein Ziel. Studiere, vergleiche, spare. Meine erste bessere Klinge war eine Toku Ho Omi Kami Hisamichi Shodai. Eine recht ruhige, aber verdammt gute Klinge mit einem wie Diamante funkelnden Lüster von Jinie. Ich armer Irrer habe sie einen anderen armen Irren verkauft und trauere ihr Heute noch nach. Seit dem schaue ich mir jeden Hisamichi welcher angeboten wird gerne an. Aber nur wenige kamen nach meinem Empfinden qualitativ an meine verflossene ran und nur bei ein oder zwei Klingen habe ich bisher gedacht: au ja, da fehlt weniger als ein Millimeter, um schwach zu werden. Aber ich weiß eben auch, dass ich sie sehr schnell "auswendig kennen" werde. Es wird nicht klick machen, dass ich wie ein Kleinkind den Rest meines Lebens selig entrückt vorm Weihnachtsbaum sitze, wenn ich die Klinge betrachte. Dafür kann Hisamichi nichts, ich bin der Gestörte, der Sachen in den Händen hatte, wo man einfach nur noch denkt: verdammte Axt!

    Das ist, was ich meine. Wenn ich Morgen ( nur als Beispiel) ein Shizu Kaneuji (noch cooler wäre ein Kinju) möchte (und mein Konto endlich mal aufhören würde mich auszulachen), dann muss es aber auch ein Kaneuji sein, wo ich Pipi in der Schlüpper habe, sonst macht es keinen Sinn. Amen.

    So weit so gut. Spekulieren ist an sich nicht vollkommen okay. Wenn ich irgendwo ein tolles Stück entdecke, was für meine Begriffe spottbillig ist, aber nicht für mich als "behaltenswert" einstufe, kann ich mit einen Weiterverkauf auf eine gute Marge hoffen. Zu mindestens war das in der Vergangenheit so. Deswegen ja mein Anarchie-Titel, denn Heute ist genau das nicht mehr der Fall.

    Und warum? Weil Deine speSas und reSpes von dem, mit was sie spekulieren keinen Schimmer haben (aber sehr wohl der Meinung sind) und ihrerseits auf speSas und reSpes hoffen, die genauso wenig Schimmer haben. Aber auch für Spekulanten und guten Händler gilt doch, um so mehr ich Ahnung von der Materie habe, und um so mehr ich mein Spielfeld, den Markt, die Szene kenne, um so erfolgreicher bin ich. Spekulieren kann ich, wenn ich einen soliden Kernmarkt habe, der stabil ist, an dem man sich (preislich und trendmäßig) orientieren kann.

    Objektive und subjektive Preise lagen in der Vergangenheit weitestgehend nah beieinander. Es gab jederzeit Wölfe und Opfer und solange etwas mit hohen Preisen zu tun hat, gab es auch prima Tische, über denen man andere zog oder gezogen wurde. Aber es gab im Grunde einen soliden Kern. Den gibts aber nicht mehr, weil der Markt durch die SpiSpeojeA (Spinnerspekulanten ohne jegliche Ahnung) vollkommen zerschossen wurde.

    Dieser solide Kern wäre das arme Schwert des armen Verkäufers im besagten Forum gewesen. Ein grundsolides Koto-Katana, poliert mit Hozon und Zuschreibung eines direkten Schmieds. Nichts hochtrabendes, kein Kunstschwert, aber vollkommen grundsolide zum anständigen Preis. Normalerweise eine feste Bank. Das Ding wurde bisher über 550 Jahre geschätzt und bewahrt. Bis jetzt. Aber Leute, die sich für wichtig halten suggerieren, das man so was nicht sammeln darf. O suriage, nur Muromachi, keine Signatur, nur Hozon, "0815" Schule, brrrr. Noch einmal, wir reden von 3.000 Euro, nicht 10.000, nicht 20.000 oder 30.000. Ein gutes, solides Schwert mit fairen Preis wird von Spinnern in den Dreck getreten. Wahre Kenner Besitzer Juyos, wird propagiert.

    Wahre Kenner besitzen aber keine Papiertitel, sondern hervorragende Klingen. Und die haben sie sich gezielt und wissend zugelegt. Auf ihrem Weg dahin gab es auch Schwerter wie das besagte, den kein Kenner plumpst einfach so in eine Wiege.

    Aber sie scharren im Dreck mit der Hoffnung des großen Fundes. Sie sehen nicht die guten Schwerter, und davon kursieren einige für im Grunde lächerliche Preise. Und das ist einfach nur irre. Tut mir leid.

    Aus gegebenen Anlass eine neue Stilblüte des Irrsinns aus einem englischsprachigen Forum. Hintergrund: die Wertigkeit von Klingen mit Kopplung an bestimmten Papieren. Mit Papiere sind im Wesentlichen die Origami der NBTHK gemeint. Ich schrieb weiter oben schon dazu.

    Es scheint offensichtlich immer weniger das Objekt selbst zu zählen, sondern zwingend Kombination mit einem entsprechenden Papier. Dabei muss eine Klinge mit Hozon (als niederster Rang) soundso viel Kosten, mit Tokubetsu Hozon folgerichtig etwas mehr. Ein Juyo gepapertes Schwert hat dann einen gehörigen Sprung zu machen...

    In einem Verkaufsfred eines einschlägigen internationalen Nihontoforums geht es um eine Klinge mit Hozon aus der Muromachi für etwa 3.000 EUR. Unglücklicherweise wurde der Fred zur Zielscheibe diverser Grundsatzdiskussionen (der Verkäufer tut mir mittlerweile wirklich leid). Eine der Blitzbirnen, die offensichtlich per PN mit deutlich niedrigen Angeboten versuchte die Klinge zu erwerben aber scheiterte fing an zu stänkern, dass ja wohl offensichtlich die Preisvorstellung der Verkäufers zu hoch wäre. Da ein Verkauf bisher nicht erfolgte, müsse der Verkäufer entsprechend flexibel in seiner Preisvorstellung reagieren.

    Ich schiele jetzt etwas in Deine Richtung Ida. Ist das Schwert tatsächlich keine 3.000 Euro wert, weil es momentan dafür keinen Käufer findet? Ich halte das Angebot für fair, realistisch, ja, sogar für recht günstig (im Bereich Langschwert).

    Interessant ist der Kommentar unserer Koryphäe, da er einigen Konter erfahren musste. Sinngemäß: ...auch ich versuchte hier erfolglos ein Schwert für 3.000 Dollar zu verkaufen. Niemand wollte es. Jetzt ist es in Japan und soll Papiere bekommen. Wollen wir doch mal sehen, was es Wert ist, wenn es Hozon oder sogar Tokubetsu Hozon erhält...".

    Hier zeigt sich das Denken von Leuten ohne jeglichen Sachverstand. Um Toku Ho zu bekommen wird er wenigstens 1.200 Dollar für Versand, Agentengebühren und den Papieren investieren müssen. Nur diese Kosten auf seine alte Preisvorstellung machen das Schwert jetzt zu einer 4.200 Dollar Klinge.

    Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Er kritisiert einen anderen, dass seine Klinge zu teuer sei, da diese zeitnah keinen Käufer findet. Er ärgert sich, dass der Verkäufer nicht auf sein Dumpingangebot eingeht, weil nach seiner Logik dass ja gerechtfertigt sei.

    Auf der anderen Seite versucht er seine Klinge, welche günstiger wirklich niemanden interessiert hat, durch mögliche Papiere noch teurer zu machen, obwohl sich die Qualität der Klinge ja keinen fatz zum Besseren ändert.

    Ich glaube im nächsten Leben werde ich Klappsdoktor.

    Evolutionstechnisch sind wir auf praktische Anleitung programmiert. Meine Tochter bin ich mit 22 noch nicht los, und bei meinen Eltern hat es seit geraumer Zeit begonnen, dass ich nun sie anleiten muss :rolleyes:.


    Ich glaube, ich habe in mein obligatorisches Weinmann: Kendo nie ernsthaft reingeschaut. Auch besitze ich keine Bücher übers Bogenschießen und Kyudo. Allerdings habe ich gezielt einige Interessante Texte zu letzteren beiden Themen gelesen und auch Input für mich gewonnen. Oft ist es eher ein Abgleichen von Erfahrungen und ein letzter "Schnipper", der einem gefehlt hat. Es sind die "kleinen Baustellen", bei dem durchaus auch Theorie hilft. Einiges widerläuft der gängigen Lehrmeinung, aber diesbezüglich herrscht eh Kontroverse zwischen den Tradis und den Akademischen. Und wenn mancher Kyujin denkt, er sei Bogenschütze muss ich eher grinsen. Aber das ist ein anderes Thema.


    Und deshalb zurück: Kendo nur über Lehrbuch, ganz bestimmt nicht. Kyudo: vergiss es, mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar mit nicht unerheblichen Verletzungspotential verbunden.. Selbst 0815 Bogenschießen a la Robin Hood kannste knicken. Bei Bogenschieß-Schnupperveranstaltungen habe ich mich selbst nach 2 stündiger intensiver, praktischer Betreuung oft gefragt, wie man so wenig Körpergefühl besitzen kann. Umgekehrt gab es auch echte Naturtalente, in der Regel aber mit sportlichen Background.


    Anderweitig habe ich mir über Jahre des Jagdbogenschießens Eigenheiten antrainiert, die meine Kyudo-Sensei zum Haare raufen bringt. Für meine Empfindung fühlt sich das durchaus richtig an, während der Trainer mich eher weinerlich anschaut. Per Handy aufgenommen, kann ich den Stein des Anstoßes dann nachvollziehen. Videoanalyse ist überhaupt eine ganz wertvolle Sache...

    Im Grunde habe ich schon alles geschrieben. Ich habe z.B. skizziert, wie mein "sammeln" damals anfing und dass das Wesen einer Sammlung eine Entwicklung ist, die ganz besonders "aus sich heraus" lebt. Stücke der Sammlung dienen in diesem System der Refinanzierung neuer Stücke, die dem Sammlungsideal noch besser entsprechen. Dazu muss natürlich der Sammler über die Wertigkeit seiner Stücke im Bilde sein, und natürlich insbesondere vor bzw beim Kauf eines neuen Stückes.


    Und hier liegt doch der Hase im Pfeffer, sobald wir uns in einem Sammlungsgebiet bewegen, welches sehr preisintensiv ist. Ich rede hier nicht von Leuten, die was augenfälliges spontan an einem schönen Sonntag auf Flohmärkten für verschmerzbares Kleingeld entdecken. Deshalb Äpfel mit Birnen.


    Ida, ich bin überzeugt, dass wenn Du "morgen" eine Klinge für 15.000 erwerben möchtest, muss sie sicherlich 100% Deinen Nerv treffen, aber - und das garantiere ich Dir - du wirst Dich fragen, ist sie auch wirklich die 15.000 wert? Du willst natürlich das bezahlen, was auch im Allgemeinen für genau diese Klinge (Alter/Zeit/Schule/Zustand) bezahlt wird. Denn wenn genau dieses der Fall ist, dann ist es auch die (momentane) Werthaltigkeit des Stückes, mit der Du plus(minus rechnen kannst, solltest Du dieses Stück aus welchen Gründen auch immer veräußern müssen. Einer der Gründe kann sein, dass Du kurze Zeit später plötzlich den "Traum Deiner schlaflosen Nächte" angeboten bekommst. Das ultimative Stück kostet aber leider 20.000 und Dein Konto zeigt Dir nen Vogel. Wäre es nicht eine super Möglichkeit, durch eine Liquidierung des alten Stückes das Neue möglich zu machen.

    Um so expensiver Du nach oben steigst, um so wichtiger ist das Augenmerk der Werthaltigkeit, denn die möglichen Interessenten werden nach oben hin immer weniger, und vor allem - äußerst kritisch.


    Zurück zu unserem Hasen im Pfeffer. Wissen um die Dinge und finanzielle Möglichkeiten sind allzu oft ein unterschiedliches Paar Schuhe. Das habe ich in den Jahren so oft erlebt. Da wurden z.B. 20.000 für einen bzw. den berühmten Osaka Shinto Schmied ausgegeben und der unglückliche "Investor" wurde von Wissenden verlacht. Die Signatur war offensichtlich echt, doch die Qualität der Klinge hatte nichts mit dem Schmied zu tun. Von angeschweißter Angel bis Saiha wurde alles spekuliert. Die Klinge verlor durch das Aufsehen natürlich schlagartig an Wert. Wären Wissen und finanzielle Potenz Hand in Hand gegangen, wäre so etwas nie passiert.

    Das ist vor vielen Jahren passiert. Das Konfuse dieser Zeit ist, dass die Möglichkeit sich zu Bilden nie besser war, genauso gute Stücke günstiger zu erwerben wie noch Jahre zuvor, es sich aber im Markt nicht widerspiegelt. Die Leute kramen weiter im Schrott rum und schauen nicht nach oben.


    Ich habe erst gestern mit meinem Bekannten telefoniert. Oft wird ja lernwilligen empfohlen, dass er viele und ausschließlich gute Klingen sehen müsse. Aber was sind gute Klingen? Was macht denn eine gute Klinge aus? Stereotype Antwort: na ab Juyo! Aber was macht denn diese oder jene Klinge zum Juyo. Ähm...ja...öh...pfff...(das Geld was dafür ausgegeben wurde). Warum sollte eine bestimmte Hozon-Klinge, oder auch eine bestimmte Klinge ohne jegliche Papiere nicht von besserer Qualität sein, als ein bestimmter Juyo?

    Ich sehe 2 wichtige Faktoren was dieses gute Klingen sehen betrifft. Einmal eben gute Klingen plus einen guten Lehrer der expliziert das Gute dieser Klingen erläutern kann und auf der anderen Seite einen Schüler, der nicht nur schaut, sondern auch verstehen will. Es geht also weniger darum, also so sieht also ein Nagamitsu aus, sondern auch warum er so aussieht. Viele althergebrachte Meinungen werden durch neue Erkenntnisse in Frage gestellt, weil sich ernsthafte Sammler und Liebhaber über Zusammenhänge und Verbindungen Gedanken machen und verstehen wollen.


    Es ist sicherlich als Sammler schmerzhaft zu erkennen, das bestimmte Stücke seiner Sammlung nicht das Niveau besitzen, für das man sie hielt oder erhoffte. Es ist auch einfach manchmal nur der momentane Stand des Wissens. Und wer daran arbeitet dem öffnet sich immer mehr Kern dessen, was seine Leidenschaft ist. Um so weniger tangiert ihn auch das Finanzielle. Denn warum sollte er 20.000 für Durchschnittsware mit Rang und Namen kaufen, wenn eine exzellente Klinge für deutlich weniger ein Zuhause sucht. Oder aber ihm genügt es einfach nur Qualitäten zu sehen und zu wertschätzen, OHNE sie besitzen zu müssen.


    Zu deinen Trends. Trends sind Moden. Sie betreffen eine Masse die sich je nach Zeitgeist umorientiert. Sie tangieren selten den exklusiven Bereich. Diese Bereiche reagieren schwerfälliger und sind stabiler und betreffen einen kleineren Kreis an Interessenten. Manchmal überschneiden sich aber diese Interessenskreise und werden dann künstlich aufgeblasen. Allerdings hatten auch althergebrachte Sammlergebiete ihren Einbruch, für meine Empfindung, weil auch qualitative Sammlergenerationen schlicht wegsterben, die maßgeblich für den Erfolg ihres Metiers waren.

    Und hier ist es eben im Nihonto-Sektor interessant. Alte Größen verschwinden und diejenigen, welche noch was auf den Kasten haben scheinen sich eher zurückzuziehen. Das erzeugt ein Vakuum in dem momentan der Punk abgeht.

    Ja, der Möglichkeiten gibt es einige. Natürlich auch Profit. Das würde aber auch bedeuten, dass sich eine korrekte Restaurierung in einem "bestimmten Sektor" kostentechnisch nicht mehr lohnt, weil Klingenkosten, Politur und Marge die Klinge de facto unverkäuflich machen. Das Thema hatten wir schon am Beispiel eines Rai Kinmichi.

    Ja, leider wirkt sich das auf viele Bereiche aus. Wenn ich auf den Shinsaku-Markt schaue, wird mir bei dem Preisdumping insgesamt himmelangst um die Zukunft der jap. Schwertschmiedetradition.


    Aber um mein geschriebenes noch mal plastisch zu machen: als ich vor 30 Jahren anfing, war der "Standartpreis" für ein Katana mit Montierung (alte Politur, häufig mumei) bei meinem Händler etwa 3.500 bis 4.000 Mark. Hatte man bald was schickeres entdeckt, war es kein Problem das alte Schwert im +/- Bereich in Zahlung zu geben. Und so bauten sich nach und nach Sammlungen auf. Das funktioniert leider nicht mehr. Solide Stücke sind kein Garant mehr für Werthaltigkeit.

    Dafür graben sich viele Szeneasten regelrecht durch die Sedimentschichten der untersten Ablagerungen des Markts (im "ein paar hundert Dollar Bereich"). Wahre Glücksfälle, wie den Ichimonji Naginata-Naoshi, für ein paar hundert Dollar gekauft und bis zum Juyo geschafft, beflügeln die Fantasie der Goldgräber. Aber ich habe es schon woanders geschrieben: natürlich darf für diese Leute die Politur keine paar Tausend kosten, wenn das Schwert selber nur 600 gekostet hat.

    Eine dieser gruseligen Stilblüten war erst in einem englischsprachigen Bord zu verfolgen, wo ein Besitzer nicht einmal vor der Verstümmelung einer Klinge zurück schreckte, um es vermeintlich Shinsa-konform zu bekommen. Auch hier ging es um nichts weiter um Status und Darstellung. Um aller wenigsten um das Schwert. Denn wäre der Besitzer aus eigenem Wissen und Auge von der Qualität der Klinge überzeugt, hätte er selbst bei einer offensichtlich Gimei nicht einen solchen Rummel erzeugt.

    Aber der Mann hat von Tuten und Blasen keinen Schimmer. Ein rein gesponnen die Klinge wäre eine Top-Oei-Bizen-Klinge mit Juyo Potential, es würde rein nichts ändern. Die Klinge würde sich nicht ändern und die Beschränktheit des Typen wäre die selbe wie vor. Aber ein kleines Papierchen namens Juyo schon. Es bewegt Dollarzeichen in hohlen Köpfen. Was für eine Farce!


    Für diese Träumer hier mal die Quoten der NBTHK von 2019: ziemlich genau ein Drittel der Hozon-Kandidaten fiel durch (33,20%). Um Tokubetsu Hozon zu erreichen, muss eine Klinge die Hozon-Prüfung bestanden haben, aber auch hier fällt ein knappes Drittel durch (31,9%). Für eine Juyo Shinsa muss Tokubetsu Hozon vorliegen. Aber selbst hier ist für viele TH-Klingen schon Endstation. Bis auf wenige Ausnahmen werden O-suriage Mumei jünger als Nanbokucho und suriage Zaimei ab Shinto gar nicht zugelassen. Und im Gegensatz zu den vorhergehenden Prüfungen geht es um keine Bestätigung der Klingen sondern um reinen Ausschluss, ein direktes Antreten gegen Konkurrenz aus eigenen Hause. 2019 fielen gut 9 von 10 Klingen durch, die Durchfallquote war 89,9%!

    Nur ein kleiner Einwand von meiner Seite: Dieser scheinbare Widerspruch, den Du da aufzeigst, ist keiner. Wenn der Markt sich selbst regulieren soll, bedeutet dies zwangsläufig, dass er nicht von außen reguliert ist. Damit herrscht natürlich Anarchie. Spätestens, wenn ein Umbruch stattfindet wie von Dir beschrieben. Allzu häufig verstehen Menschen leider "freien Markt" als "verhält sich so, wie ich es für logisch halte".

    Ich gehöre zu den "Neuen" wenn man so will. Ich bin vor wenigen Jahren über Koryu und der Notwendigkeit, Schwerter für das Training zu benutzen, zu diesen Kunstwerken gekommen. Tsuba kaufe ich danach, was mir ästhetisch gefällt. Namenlose, schwer einzuordnende Stücke die mir gefallen landen auch mal für eine Zeit auf meinen "Trainingsschwertern". Mein Nihonto habe ich nach "Anwendungskriterien" (für Battoujutsu) gekauft, sprich die Dimensionen waren erst mal wichtiger als der Rest, auch wenn ich da bestimmte Vorstellungen zu hatte. Ich war überrascht, dass das Schwert Papiere hatte. Menuki kaufe ich zu einem bestimmten Thema, meist zu einer Tsuba oder Koshirae... Mir ist es einfach schlicht nicht wichtig, ob das Stück dass ich da kaufe, Handwerklich "schlechter" ist, als das, was daneben liegt. Solange eine gewisse Kunstfertigkeit offensichtlich erreicht wurde.


    Zusammenfassend würde ich wahrscheinlich auch "gute Sachen" (Gut nach welchen Kriterien?) im Laden liegen lassen und mir den "Durchschnitt" kaufen, der mir persönlich gefällt.

    Den Typ den Du beschreibst, gab es auch früher. Was Du machst ist auch vollkommen legitim. Was ist denn ein Sammler? Das würde den Rahmen sprengen. Das ist aber nicht das Problem. Das Problem sind Menschen, die sich als Sammler sehen und begreifen, sich aber im Wesentlichen vom Schein und Status der Szene angezogen fühlen. Ja, auch dieses Klientel gab es schon früher. Aber ich habe den Eindruck, dass viele wissende "Große", die vorher noch die Waage im Gleichgewicht hielten, sich zurück ziehen. Außerdem erscheinen diese "Oberflächigen" wesentlich aggressiver als vorher. Das Problem bleibt das Geld und vermeintliche Werte, mit denen gespielt wird.

    Noch was. Diese Oberflächlichkeit heizt den Markt noch zusätzlich an. "Großkopferte" welche es gut meinen, sinnieren in Blogs über Sammelwürdigkeiten, Qualitäten und Tokubetsu Juyos, die diesem "Nachwuchs" zum Greifen nahe scheinen. Nur dass sie diese Qualitäten nicht erkennen würden, wenn sie diese in den Händen hielten. Da reden Welten aneinander vorbei. Dieses "Sammelwürdigkeitsdenken" wird aber nach unten transportiert. und zerstört hier eine in der Vergangenheit stabile "untere Mittelschicht". Selbst ein stolzes, aber unsigniertes, weil o-suriage Muromachi-Katana mit Hozon wird mit fairem Preis unverkäuflich. Warum. Weil alles was unsigniert ist und ab Muromachi Richtung Neuzeit läuft, pauschal als nicht sammelwürdig abgehakt wird. Es ist aber gerade der kleine Sammler gewesen, der mit seinem Durchlauf den Markt interessant gestaltete, und vor allem von denen die Händler lebten. Wenn dieser Sammler seinen Kram aber nicht mehr los wird, dann bricht einiges zusammen. Dieses "nicht mehr los werden" zieht sich bereits in die höheren Schichten hoch. Nur so ist zu erklären, warum bestimmte bessere Stücke extrem günstig zu haben sind und das Juyo des kleinen Mannes , das Tokubetsu Hozon, da facto kaum mehr sein Papier wert ist.

    Als ich gerade eben die neuen Angebote eines bekannten Händlers für jap. Schwerter aufrief, bin ich mal wieder vom Glauben. Das passiert in letzter Zeit in immer kürzeren Abständen. Vor allem war es die Preisgestaltung, denn die Vertreter aus dem frühen und mittleren 14. Jhdt. , bekannten Schmieden direkt zugeschrieben, sollten in etwa EUR 10.000 bzw. EUR 15.000 kosten. Hört sich für den "Normalo" viel an, aber vor 15 bis 20 Jahren lag der Preis für eine durchschnittliche Tegai mit TH (von denen es viele gibt) bei etwa EUR 20.000 bis EUR 25.000.


    Unter Antiquitäten galten insbesondere asiatische Antiquitäten als sehr wertstabil, während in vielen anderen Sparten die Preise (aber auch die Nachfrage) teilweise drastisch sanken. Ursachen dafür gibt es sicherlich viele. Zum einen das Aufblähen des Markts durch Internet und diverse Online-Auktionsplattformen, einhergehend mit einem immer einfacher werdenden Zahlungsverkehr. Zum anderen ist es aber auch eine Veränderung in der Gesellschaft, in der viele klassische Sammler einfach aussterben. Auch ist "sammeln" selbst nicht mehr wirklich hipp. Das Budget wird Heute eher im aktiven Bereich, sprich Reisen, Erlebnis und Sport ausgegeben. Nicht repräsentativ, aber dennoch Interessant ist ein Trend bei einschlägigen Fernsehformaten zu beobachten, dass Familienschätze, die seit Generationen weitergegeben wurden, häufig mit der Begründung "wir wollen uns neu einrichten" (IKEA-Einheitsoutfit) aufgegeben werden, und der Erlös für Reisen und Essen umgesetzt wird.


    Dazwischen stehen natürlich die Händler, welche davon Leben, diese Stücke an entsprechende Interessenten weiterzugeben. Aber wie sieht es auf der Seite der Interessenten aus?


    Da ich mich auf dem japanischen Sektor besser auskenne, möchte ich mich hier beschränken. Schon vor Jahren war ich der Meinung, dass der Markt kippt, bzw. salopp gesagt im A*** ist. Es müsste dem Interessenten eigentlich freuen, dass Preise fallen. Doch man muss genau hinschauen. Es gibt nämlich auch gegenteilige Bewegungen. Der Markt sollte sich eigentlich selbst regulieren. Tatsächlich herrscht wahre Anarchie. Bestimmte Regeln bzw. ein Gerüst, an dem man sich "weiterhangeln" konnte, existieren nicht. Eine durchschnittliche Akasaka Tsuba kann man beim jap. Händler mit Hozon schon für etwa EUR 500 bekommen. Bei Ebay erhält man fragwürdige Akasaka ohne irgendein Papier für den doppelten Preis. Auch sonst ist diese Plattform tot. Bei Händlern bleiben gute Sachen wie Blei liegen, durchschnittlicher Kram zum gleichen Preis ist sofort weg. Die Interessenten, welche "nachrücken", scheinen trotz einer um Welten besseren Informationssituation (Publikationen, Bücher, Internet) sich noch oberflächiger zu verhalten, als man es glauben mag. Alles zusammen macht den Markt momentan vollkommen unberechenbar. Nie war es so leicht, die Rosinen einzusammeln. Aber wehe man muss ein gutes Stück veräußern, man hat verloren. Das ist die einzige Konstante im Augenblick.

    Absolut irre...